Was ist Glück und wie kann ich glücklicher werden? – Denkanstöße von Glücksministerin Gina Schöler

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ann warst Du das letzte Mal glücklich? Und gibt es eigentlich ein Basisrezept zum Glück? Wir haben mit der selbsternannten Glücksministerin Gina Schöler über Glück, Achtsamkeit und Verbundenheit gesprochen und sie nach ihren Impulsen und Erfahrungswerten für ein glücklicheres Leben befragt.

 

Gina, Du beschäftigst Dich intensiv mit dem Glück und hast das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ins Leben gerufen. Was umfasst das Projekt und was ist Dein Ziel?

Das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ist in erster Linie ein Projekt, eine bundesweite Initiative und gleichzeitig auch ein interaktives Kunstprojekt. Dabei ist es mein Ziel, auf ganz nahbare und spielerische Art und Weise, möglichst greifbar, bunt und fröhlich die Menschen dazu zu motivieren, mal wieder über einige Fragen nachzudenken: Worum geht es hier eigentlich? Was ist mein Ziel im Leben? Geht es um dieses „Schneller, Höher, Weiter, Mehr“? Oder sind es doch andere Werte, die mich glücklich machen? Viele vergessen im Alltag sich damit zu beschäftigen.

 

Es braucht manchmal eben eine Community, die mit positivem Beispiel vorangeht und sagt „Hey, lass uns das Thema gemeinsam anpacken“. Und es ist gar nicht so schwer, wenn wir im Kleinen täglich daran arbeiten. Dem Projekt sind keine Grenzen gesetzt, ich lasse der Kreativität freien Lauf, von Street-Art-Aktionen über Konferenzen bis hin zu Onlineaktivitäten. Das Ministerium für Glück ist auf allen Kanälen verfügbar, um Menschen auf die unterschiedlichste Art und Weise zu inspirieren.

 

Im Rahmen dessen bin ich jetzt seit sechs Jahren als Glücksministerin unterwegs. Es wird nie langweilig, ich lerne immer wieder neue tolle Menschen kennen und lerne immer noch selbst dazu. Ich bin kein studierter Glücksexperte, aber der Austausch mit den Menschen zum Thema „Glück“ ist sehr bereichernd und macht mir unfassbar viel Spaß.

 

Was war der Anstoß für Dich, das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ins Leben zu rufen?

Der Ursprung des Ministeriums liegt in meinem Masterstudium. Ich komme aus einem kreativen Bereich und habe Kommunikationsdesign studiert. Eine der letztem Aufgaben im Studium lag darin, eine Kampagne zu kreieren, die einen Wertewandel in der Gesellschaft gestaltet, begleitet und moderiert. Aufgrund dessen sind wir bei der Recherche auf Bhutan gestoßen, dieses kleine Land im Himalaya, welches das Bruttonationalglück hat. Ein System, das dem Wirtschaftswachstum reale Werte, wie das Wohlbefinden von Mensch und Umwelt, entgegensetzt.

 

Ich habe gemerkt, dass ich meine kreativen Fertigkeiten und meine Arbeit als Kommunikationsdesignerin auch in sinnvolle und nachhaltige Themen stecken kann. Und so ist die Metapher des Ministeriums entstanden, um Sinnfragen auf kreative Art und Weise in die Bevölkerung zu tragen.

 

Dadurch, dass ich mich Hals über Kopf in das Projekt verliebt habe, bin ich nach dem Studium ins kalte Wasser gesprungen und habe mich damit selbstständig gemacht.

 

Welchen Rat gibst du Menschen, die sagen, dass sie unglücklich sind?

Ich gebe ungern Tipps und Ratschläge, weil ich mich nicht in dieser Position sehe. Vielmehr bin ich eine Mutmacherin oder Impulsgeberin. Deswegen würde ich in erster Instanz den Impuls geben, „Lass uns doch dem auf den Grund gehen, warum das so ist“, also erstmal in die Recherchephase gehen.

 

Manchmal stecken hinter den vermeintlichen Baustellen ganz andere Themen. Das merke ich auch in meinen Workshops. Die Leute kommen mit einer Herausforderung oder einem Problem und wenn man dann in die besagte Recherche geht, wendet sich das Blatt teilweise um 180 Grad. Das ist total spannend.

 

Ich würde schauen, dass wir daran arbeiten, dass Du Dich erst einmal selbst richtig kennen lernst. Und herausfindest, warum fühlst Du Dich unglücklich? Was kannst Du im Kleinen, Tag für Tag verändern, so dass sich diese Situation verbessert. Das geht nicht von heute auf morgen, auch wenn man in so einer Situation gerne ungeduldig ist. Gerade, wenn es eine Lebenskrise ist, weiß man nicht mehr wo oben und unten ist. Aber sich um die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu kümmern, geht wirklich nur Atemzug für Atemzug und nur mit ganz viel Selbstvorsorge und Selbstwahrnehmung.

 

Hier sehe ich auch den Bezug zu asambeauty. Wenn ich meine eigene Batterie nicht fülle, wenn ich mich nicht um mich kümmere – da gehört das innere und äußere dazu – wie soll ich da kraftvoll nach außen treten, geschweige denn anderen helfen?

 

Kannst Du Glück in Worte fassen?

Eigentlich nein, weil das ist natürlich ein total intensives, persönliches, subjektives Gefühl. Weil ich mich aber jetzt so viele Jahre schon damit beschäftige, habe ich meine Form gefunden, die ich für mich erklären kann. Die ist nicht allgemein gültig, aber auf folgende zwei Weisen, erkläre ich mir das Glück.

 

Zum einen bedeutet Glück für mich Veränderung. Denn der Witz ist eben, dass das ganze Leben Veränderung ist. Nichts ist für immer in Stein gemeißelt, alles ist ständig am Rotieren, am Fließen, am sich Entwickeln, am Abbrechen und Neuanfangen. Das lässt sich auf alles beziehen, seien es zwischenmenschliche Beziehungen, der berufliche Werdegang oder Gefühle. Die ganze Welt ist nicht stetig.

 

Das ist spannend, kann aber auch total weh tun. In dem Zusammenhang bedeutet Glück für mich eine Form zu finden, wie ich damit gut umgehen kann und eine Portion Gelassenheit reinbringe. Das funktioniert natürlich auf den ersten Blick nicht immer und gerade in einer Krisensituation ist die Definition womöglich wenig verständlich. Aber aus eigener Erfahrung, kann ich sie rückwirkend immer unterstreichen.

 

Zum anderen bedeutet Glück für mich Verbundenheit. Ich muss mich mit mir selber verbinden, mich kennenlernen. Meine Macken, Stärken und Schwächen herausfinden und mir Antworten suchen auf die Fragen: Was will ich nach außen geben? Was will ich erreichen? Wie möchte ich meine Zeit verbringen? Und was ist der Sinn meines Lebens?

Und im nächsten Schritt spreche ich auch von der Verbundenheit zu Mitmenschen. Was kann ich anderen abgeben? Wie kann ich ihnen helfen? Wie kann ich Wertschätzung und Dankbarkeit praktizieren?

 

Gibt es ein Basisrezept zum Glück? Dinge, die einem das Glücklichsein erleichtern?

Dinge? – Nein. Denkweisen oder Einstellungen definitiv ja. Einstellungen, wie beispielsweise Gelassenheit und Humor.

 

Wir tendieren ja gerne dazu, tausende Pläne zu schmieden. Das Schöne ist: es passiert meistens nicht so wie man es plant. Dann sind Spontaneität und Flexibilität gefragt und diese sollte man auch zulassen, um Dinge spontan wahrzunehmen.

 

Man sollte auch neue Sachen ausprobieren und sich auf Situationen und Menschen einlassen, ohne Vorbehalte zu haben. Das sind kleine Aspekte, die in meinem Rezept immer auftauchen.

 

Wie können wir unsere Mitmenschen glücklich(er) machen?

Ich bin der Meinung, dass man selbst andere erfreuen und für sie da sein kann, aber glücklich machen, können sie sich nur selbst.

Klar, man kann das Thema auf den Tisch bringen und den Menschen ein offenes Ohr schenken. Manchmal, reicht auch so etwas wie, „Hey, ich bin für Dich da, und ich höre Dir zu“.

Präsenz, Mitgefühl und Empathie zeigen in irgendeiner Form, ohne dass man den Anspruch zu sehr erhebt, dass man jetzt genau weiß, wie es weiter geht. Situationen sind so individuell wie die Leute selbst. In zwei Worten: Liebe zeigen.

 

Hast Du einen Rat, wie man offensichtlich glückliche Momente intensiver erlebt, genießt und bewahrt?

Ja, das ist der Klassiker Achtsamkeit. Bevor das Projekt in mein Leben gestolpert ist, war ich sehr schlecht darin. Ich habe so vor mich hingelebt, es lief und ich habe manche Dinge, wie Wahrnehmungen, Begegnungen und Situationen, nie richtig realisiert.

 

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto deutlicher habe ich gemerkt, dass wenn ich meine Aufmerksamkeit darauflege, solche Momente besser wahrzunehmen, dann ploppen sie plötzlich an jeder Ecke auf.

 

Der Schlüssel dazu ist – was nicht pauschal zu sehen ist – alle Sinne, die Du hast zum Einsatz zu bringen. Wenn Du zum Supermarkt läufst, dann schau nicht aufs Handy oder krame in Deiner Tasche, sondern konzentriere Dich einfach aufs Laufen.

 

Das ist die Philosophie der Achtsamkeit. Wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Und das entschleunigt automatisch.

 

Viele suchen das Glück auf Reisen, beim Sport oder in der Familie. Sind das Situationen, in denen wir leichter das Glück erfahren können?

Leichter nicht, aber es ist ein anderes Glück. Das sind Situationen, in denen Hormone im Spiel sind. Das sind meist neue, außergewöhnliche Dinge, die wir erleben, wie ein Fallschirmsprung. Natürlich ist das ein überwältigendes Gefühl. Aber das hat dann nichts mit dem kleinen, alltäglichen Glück zu tun.

 

Muss man auch manchmal unglücklich sein, um Glück richtig schätzen zu lernen?

Um ehrlich zu sein – ich weiß die Antwort nicht. Vor diesem Jahr hätte ich gesagt, ich habe noch nie Unglück erlebt. In dieser Zeit war ich trotzdem glücklich.

 

Aber dieses Jahr hatte ich ein ziemlich krasses Jahr und – ja, man weiß das Glück dann doch etwas anders zu schätzen. Vielleicht kann man doch ein kleines „Ja“ hinter die Frage setzen.

 

Warum missgönnen wir anderen oft ihr Glück?

Tun wir das? Wahrscheinlich spielen Vergleiche hier mit hinein. Vergleiche wie: Wie gut sind die anderen? Warum bin ich nicht erfolgreicher oder glücklicher?

Ich denke das ist eher die Unzufriedenheit mit dem Status Quo, als die Missgunst gegenüber anderen.

 

Vergleichen ist sowieso das Todesargument für Glück.

Wir verurteilen und urteilen so schnell über Menschen. Selbst wenn jemand glücklich nach außen tut, kann es in der Person ganz anders aussehen.

 

 

Gina Schöler ist Glücksministerin und Kopf der Initiative Ministerium für Glück und Wohlbefinden. In Workshops, Vorträgen und Events appelliert sie an die persönliche Auseinandersetzung mit dem Glück und begeistert mit ihren inspirierenden Denkanstößen.

 

 

 

 

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